CD BESPRECHUNG

1 2 3»


CD Besprechung

Moncho Rivera - Yo Tengo Lo Mio
von DJ Michael

Ramon 'Moncho' Rivera ist der Sohn von Laura Rivera und wollte schon immer Salsa-Sänger werden. Das ist für einen Puertoricaner nix Ungewöhnliches. Ein kleines Problem ergibt sich aber dadurch, das Mutter Laura zufällig die Schwester eines der grössten Soneros des Landes war: Salsa Legende Ismael 'Maelo' Rivera - auch nicht zu Unrecht genannt El Sonero Mayor (ein Beiname, der ihm von Beny Moré verliehen wurde).

Und da kommen wir nun zu dem Onkel-Problem: Moncho erbte von seinen Vorfahren fast genau dieselbe Stimme, wie eben sein berühmter Onkel. Dafür kann der Neffe nix. Aber er wird dafür natürlich unter Beschuss genommen. Er sei nur ein Imitator des Stiles des Onkels. Brisant ist, aus welcher Ecke das kommt. Da gibt es nämlich noch einen - ebenfalls singenden - Nachfahren. Nämlich des Onkels Sohn: Ismael Rivera Jr., der auf seiner letzten CD in einem Lied nachfragte, wer denn der wirkliche Erbe des Sonero Mayor sei. Nicht ganz undelikat: Auch er hat dieselbe Stimme, wie wohl alle Männer der Familie Rivera und auch er singt im Stile des Onkels.

Diese kurze Hintergrundgeschichte der Familie führt uns nun unmittelbar zum Titel der CD: Yo Tengo Lo Mio. Denn wie äussert sich Moncho über diesen Trouble: 'Mi intención no es polemizar con mi primo Ismaelito Rivera' - Meine Absicht ist es nicht, mit meinem Cousin Ismael Rivera Jr. zu polemisieren, Und jetzt wird es lustig: "Todo el mundo lo ve como una contestación, pero no es así. Sencillamente él tiene lo suyo y yo tengo lo mío, cada loco con su tema”. - Alle Welt erwartet eine Art Wettkampf zwischen uns. Aber so ist es nicht. Er hat seins, Ich habe meins ... cada loco con su tema :-). Und so erklärt sich der Titel der CD und zugleich des Titelsongs.

Ein Titelsong der nicht nur die familiäre Situation auf witzige Art und Weise ein wenig beleuchtet sondern der auch ausgesprochen gut gelungen ist, wie ich finde. Eher Low-Tempo entwickelt er doch ein Kraft und einen Rhythmus der - wie alle Songs des Albums - ständig treibt. Cool und betont durch eine starke Campana. Und wenn Gilberto Santa Rosa im Chorus singt - was kann da noch schiefgehen. Nix! Es ist Salsa, Senores. Straightforward, einfach de la calle! Keine Experimente! Simpel und gerade dadurch so wunderschön.

Höchste Weihen erhielt das Projekt dieses Albums übrigens durch den ehemaligen Bandleader der Begleitband Los Cachimbos des Onkels. Der Onkel wurde richtig berühmt mit Cortijo Y Su Combo (heute El Gran Combo De Puerto Rico). Getrennt haben sich die Wege Anfang der 60er. Seine Begleitband nannte sich fortan eben Los Cachimbos und der musikalische Direktor war auch kein Unbekannter: Javier Vazquez. Und eben dieser sorgte für die Arrangements der 3 neukomponierten Stücke auf dem inzwischen 3. Album von Moncho Rivera: Yo tengo lo mío, Bajón de amor und Kankanito. Alle anderen Songs sind gecoverte Alt-Hits in der Zweitverwertung ( darum nur 4 statt der eigentlich verdienten 5 Sterne ).

Wie zum Beispiel Moliendo Cafe des venezeolanischen Komponisten Jose Manzo Perroni und seines Neffen Hugo Blanco. (Noch so eine Familiengeschichte: Beide stritten damals vor Gericht um die Rechte an dem Lied). Also Moliendo Cafe würde für mich als Bandleader zu den absolut No-Go-Areas zaehlen. Bei so einer berühmten und oft kopierten Vorlage kann man doch nur verlieren .... Nicht aber Moncho, der das mit seiner einfachen Geradeaus-Art sehr souverän meistert.

Ich mag diese Einfachheit, diese Betonung und Akzentuierung des Rhythmus wie bei Monchos Salsa. Das ist es, was die Salsa wirklich ausmacht! Nicht aufgeblasene Arrangements. Nicht der neu ausgebrochene Kult um Mambo auf 2 und auch keine überkomplizierten Timba-Kaskaden mit - teilweise - nicht sehr intelligenten Texten. Letztendlich lässt sich in der Salsa doch alles auf diese eine profunde Wahrheit reduzieren: Ist da Rhythmus? Ohne Rhythmus iss nix! Und Rhythmus pur bietet uns Moncho Santana reichlich. So höre man mal El Que No Sufre No Vive. Das haut rein. So muss Salsa sein. Oder El Niche. Ich glaube der 1987 verstorbene Onkel wäre sehr stolz gewesen. Auf Beide! Auf seinen Sohn und auch auf seinen Neffen. Über deren Streit hätte er wohl nur milde gelächelt.

Übrigens hat der Onkel zu seinen Lebzeiten seinen Neffen sehr ins Herz geschlossen. Sogar ein Lied hat er für ihn aufgenommen: Auf der CD "De Colores" aus dem Jahre 1967 finden wir einen Song der da heisst: "Ismael Y Monchito"

Fazit: Coole und vor allem einfach gehaltene Salsa-Cd des Neffen von Ismael Rivera, der aber auch ohne das Neffen-Sein hier einen grossen Wurf gelandet hat. Das Geniale liegt halt oft in der Einfachheit!



Du kannst in Zukunft sofort per eMail informiert werden, wenn DJ Michael wieder eine neue Salsa-CD-Besprechung im Internet veröffentlicht - Abonnenten dieses Salsa-CD-Newsletters erhalten per eMail auch Kurzkommentare von Michael zu neuen Salsa-CDs, die sonst nicht im Internet zu finden sind.

Meine eMail: Mein Vorname:


Anmeldung
Email:
Passwort:
 
angemeldet bleiben

















 
 
Werben
Preise
Über uns